Kettenschmiedemuseum - RDB e.V. BV Lünen

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Kettenschmiedemuseum

Fortbildung > Berichte 2016
Am 17.05.2016 hatte der BV die Gelegenheit das Kettenschmiedemuseum in Fröndenberg zu besichtigen. Zu dieser Besichtigung konnte der BV 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen.
Die Geschichte beginnt etwa um 1830. In dem neuen Iserlohner Drahtwalzwerk stellte mal nicht nur selbst Ketten her, sondern ließ diese auch in Heimarbeit fertigen. Viele Fröndenberger Landwirte fanden als Heimkettenschmiede ein lohnendes Nebeneinkommen zu ihrer Landwirtschaft. Die Wende von der Heimarbeit zur Kettenfabrik geschah etwa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bereits 1858 gründete Wilhelm Prünte jr. die erste Kettenschmiede in Fröndenberg. Ab 1866 wurden viele weitere Kettenfabriken errichtet. Die Erzeugnisse gingen in alle Welt und begründeten so den Ruf Fröndenbergs als „Stadt der Ketten“. Die erste Kettenkrise verursachte 1923 die Inflation und 1929 die Weltwirtschaftskrise. Nach dem 2. Weltkrieg florierte die Kettenproduktion dann wieder, bis sie in den 80er Jahren unter anderem durch den internationalen Markt nicht mehr konkurrenzfähig war und zu Ende ging.
Die Kettenschmieden, die über 100 Jahre das Bild der Ruhrstadt prägten, sind seitdem verschwunden.

Das Kettenschmiedemuseum will diese industrielle Tradition Fröndenbergs lebendig erhalten und der heutigen und zuküftigen Generation zeigen, wie faszinierend aber auch schwer die Arbeit der Kettenherstellung einst war.
Das Fröndenberger Kettenschmiedemuseum wird vom „Förderverein Kulturzentrum Fröndenberg e.V.“ betrieben. Der Förderverein griff die seit vielen Jahren vorhandene Idee zur Errichtung eines Kettenschmiedemuseums auf und realisierte mit zahlreichen ehrenamtlichen Helfern in fast 3jähriger Arbeit dieses Projekt.
Das Museum entstand in dem ehemaligen Magazingebäude der Papierfabrik Himmelmann und wurde am 09.05.1999 eröffnet. An die 1983 geschlossene und 1987 abgebrochene Papierfabrik erinnert auch heute der unweit des Museums stehende „Fröndenberger Trichter“. Ursprünglich wurde er genutzt um Wasser, das für die Papierherstellung unerlässlich war, zu reinigen. Mit Hilfe des bekannten Künstlers Prof. Markus Lüpertz konnte das imposante Metallbauwerk erhalten werden. Die Außenmauern des ehemaligen Strohlagers der Papierfabrik wurden ebenfalls erhalten und bilden heute den Rahmen für das Forum. Dort wurde 2007 die Kulturschmiede an das Museum gebaut. Alle Bauwerke befinden sich innenstadtnah im direkt an der Ruhr gelegenen Himmelmannpark.
Die im Museum aufgestellten Maschinen zur Kettenherstellung wurden in mühevoller Kleinarbeit aus zahlreichen ehemaligen Kettenfabriken zusammengetragen, restauriert und wieder funktionsfähig gemacht.
Für die Kettenproduktion müssen zunächst aus Draht oder Rundstahlstangen einzelne Stücke geschnitten werden. Diese „Pinne“ werden kalt oder warm zu einem U gebogen und anschließend maschinell verschweißt oder im Feuer per Hand geschmiedet. Im Museum befinden sich hierzu entsprechende Schneide- und Biegemaschinen, elektrische Handscheißmaschinen und Kettenschweißmaschinen. Fertige Ketten werden gerollt, poliert, gegebenenfalls verdreht und geprüft. Die Besucher sehen hierzu die entsprechenden Rollfässer sowie Verdreh- und Kettenprüfmaschinen. Diese Maschinen sind funktionsfähig und vorführbereit. Sie werden ergänzt durch eine Vielzahl von Exponaten, Schautafeln und Bildern. Darüber hinaus zeigt ein ca. 10 minütiger Film die Herstellung einer Kette am Schmiedefeuer.

Herzstück des Museums ist die Schmiedefeueranlage mit den beiden Fallhämmern und dem Transmissionsantrieb aus dem Jahr 1910 und stammt aus der Ruhrland Kettenfabrik Wilhelm Prünte.
Mit Hilfe von Spezialkoks und einem Luftgebläse werden die U-förmig gebogenen „Pinne“ auf ca. 1.300°C erhitzt und mit einem Fallhammer an den beiden Enden flachgeschlagen („angeschärft“). Dann wird das U durch ein bereits fertiges Kettenglied gesteckt. Die fachen Enden werden auf dem Amboss übereinander geschlagen. Nach dem erneuten Erhitzen wird das neue Kettenglied mit kräftigen Hammerschlägen verschweißt. Unter dem Gesenkfallhammer („Bär“) entsteht die optimale Rundform. 
Zum Schluss entfernt der Kettenschmied mit dem Schmiedehammer den entstandenen Grat und gibt ihm die endgültige Form.
Und heiraten kann man hier auch. Im Schein von Teelichtern vor dem flackernden Schmiedefeuer kann der Bund fürs Leben geschmiedet werden. Dieses besondere Ambiente der Heiratsschmiede in einer Außenstelle des Fröndenberger Standesamtes hat bislang schon über 400 Paare begeistert.
Nach der Besichtigung des Museums kehrte die Besuchergruppe zum Ausklang in den Stiftskeller ein.
Jürgen König

Aktualisiert am 04.07.2018
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