Glückauf Kaserne - RDB e.V. BV Lünen

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Glückauf Kaserne

Fortbildung > Berichte 2012

 BV Lünen zu Gast bei der Bundeswehr

Mit militärischem Gruß am Schlagbaum empfangen, in der vorliegenden Namensliste vom Wachoffizier abgehakt und schon erhielten wir die Genehmigung zur Durchfahrt auf das militärische Gelände.                                         So begann am 18. April 2012 für 22 Mitglieder unseres BV, der Besuch des Logistikbataillons 7  in der Glückauf - Kaserne in Unna - Königsborn, welches vormals Instandsetzungsbataillon 7 hieß.

In einem Unterrichtsraum wurden wir von den Führungsoffizieren Herrn Hauptmann Michael Lasche und Herrn Oberleutnant Alexander Sadykov  im "Flecktarn" herzlich empfangen.

Hauptmann Lasche erklärte uns sehr umfangreich, unterstützt von einer gut sortierten Bilddatei, den Standort, die Truppenstärke, den Aufbau und eigentlichen Auftrag des Bataillons, sowie Einsatzintervalle und Zeitdauer in Krisengebieten.
Auch Informationen über die Unterstützung bei zivilen Ereignissen kamen nicht zu kurz.  
 
Die Glückauf-Kaserne existiert seit 1966 unter diesem Namen. Eine Partnerschaftskaserne befindet sich in Coesfeld. Brigadesitz ist Augustdorf.
Auf dem 550.000 m² - großen Gelände sind derzeitig 1278 Soldaten stationiert,
die in 7 verschiedenen Unterabteilungen des LogBtl 7 ihren Dienst versehen.
Es sind Berufs- und Zeitsoldaten, aber auch freiwillig Wehrdienstleistende. Letztere können hier z.B. eine Ausbildung zum Koch oder KFZ - Mechaniker absolvieren, werden jedoch während dieser Zeit nicht in Krisengebiete geschickt.
Auch Reservisten melden sich immer wieder zu Einsätzen, welche mit 100 €/Tag
zusätzlich besoldet werden.
Eine Kompanie besteht aus 250 bis 350 Soldaten.
     
Das Aufgabenspektrum des LogBtl 7 besteht im Wesentlichen in der Instandsetzung und Bergung defekter Einsatzgeräte wie Panzer u. a. m., der Ersatzteilbe-wirtschaftung, Materialumschlag und Transport. Von der Marketenderware bis zum Panzermotor wird diesem Bataillon abverlangt zu organisieren.
Hierbei ist es unerheblich wo sich der Krisenherd gerade befindet.

Ob für die KFOR - Soldaten am Balkan, die SFOR - Soldaten in Serbien oder die
EUFOR - Soldaten in Bosnien; hier war das Logistikbataillon 7 im Einsatz.
                                                  
Bei den Einsatzintervallen, z.B. in Afghanistan, sprach Hauptmann Lasche (selbst bisher 3 x als Kompanieführer dabei), von " alle zwei bis drei Jahre sind wir dabei".
So können etwa 350 Königsborner Soldaten Ende 2013 / Anfang 2014 wieder mit einem Einsatz am Hindukusch rechnen. Es währe ihre dritte Afghanistanmission. Für 4 - 5 Monate, einer Siebentagewoche und bis zu 14 Stunden am Tag versorgen bzw. unterstützen sie dann die deutschen ISAF - Soldaten.
Standort wird wie bisher, Masar i Sharif im Norden des Landes sein. Ein international aufgebauter Stützpunkt in einer Größenordnung von 3 x 6 km. Hier bewegen sich ca.10.000 Soldaten aus 38 Nationen, wie z.B. Ungarn, Polen, Norweger, Kroaten, Mongolen, Armenier und US - Soldaten.
Die Unterbringung erfolgt in 3 x 5 Meter großen Containern mit 2 - 3 Betten. Der Empfang von heimischen Fernsehsendern, wie ARD, ZDF und SAT - TV ist gewährleistet. Das Bier ist auf 2 Dosen je Tag rationiert. Schnaps gibt es nicht.
Mit dem Handy zu telefonieren ist zwar möglich, jedoch sehr teuer. Daher wird eben mehr geschrieben, zumal die Deutsche Feldpoststelle unter der Regie der Königsborner Truppe steht und wohl gut zu funktionieren scheint.
Einer der wohl härtesten Einsätze des LogBtl 7 war die Bergung eines Marders
 mit verletzten und einem tödlich verwundeten Soldaten. Sie gehörten zu einer Einheit aus Augustdorf. Hauptmann Lasche : " All unsere Soldaten sind sehr gut ausgebildet, doch gegen plötzliche Sprengfallen, Minen, Hinterhalte, eben die Hinterlist des Aggressors, ist man nicht gefeit. Taliban sieht man nicht, erkennt man nicht !"

Besagte Hinterlist wurde uns dann in einem Film über diesen Krieg mehr als verdeutlicht.
Mit einer gewissen Zufriedenheit sprach  Führungsoffizier Lasche von seinen Soldaten, die ihr politisches Mandat bisher gut umgesetzt hätten und ohne größere psychische, wie auch physische Beeinträchtigungen zurückgekehrt seien.  
   
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  Um für den Ernstfall immer gut gerüstet zu sein, ist die Teilnahme an Manövern wie : "Großer Rösselsprung", "Schneller Umschlag", "Scharfes Schwert", "Westfalenschlüssel", oder "Blaues Wunder", um nur einige zu nennen, hohe Pflicht.

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Auch bei zivilen Einsätzen konnte man auf die Einheit aus Königsborn bauen.
So z.B. im Winter 1978/79, als Schleswig-Holstein völlig eingeschneit war, oder, was wir wohl alle noch in Erinnerung haben, die Winterkatastrophe 2005 im Raum Ochtrup, nord-westl. v. Münster. Es waren Strommasten unter der Schneelast um-   geknickt,,Stromleitungen gerissen. Eine ganze Region befand sich ohne Stromversorgung. Hier hat das LogBtl 7 mit 100 Soldaten und 50 Notstromaggregaten  "Erste Hilfe" geleistet.
Zum direkten Einsatz bei der Fußball - WM 2006 ist es zwar nicht gekommen, doch für den Katastrophenfall bei den Spielen in Dortmund und Gelsenkirchen standen
3 Kompanien zur Unterstützung der Sicherheitsbehörden abrufbereit !
Wie mir scheint, eine Truppe die überall einsetzbar ist.
                                                  
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Nach dem Mittagessen in der Soldatenkantine, marschierten wir (im wahrsten Sinne des Wortes) unter der Führung von Oberleutnant Sadykov durchs Gelände Bergbaueigentümliche Straßennamen, aber auch Relikte wie Dieselloks und Kohenwagen aus "Opas Bergbau", erinnerten uns an alte Zeiten. Das Bergwerk "Unser Fritz" hat der Glückauf - Kaserne übrigens im Gründungsjahr  eine Tafel gestiftet, die an den früher in Königsborn betriebenen Bergbau erinnern soll. Es bestand freundschaftliche Bande. In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass das Wappen des LogBtl 7 nicht nur das Westfälische Ross und das Feldzeugzeichen aufweist, sondern auch Hammer und Schlegel.

An einer großen Fahrzeughalle angekommen, wurden wir von Oberleutnant Räder und seinen Mannen freundlich empfangen. An einem Panzer vom Typ Marder demonstrierten uns die Soldaten unter Einsatz eines BW - Bergungskrans, wie schnell ein Motorgewechselt wird, bzw. gewechselt werden kann. Unsere Neugier ließ keine Fragen offen. So erfuhren wir viele technische Details, die aber hier alle aufzuzählen, den Rahmen sprengen würde.  Nur soviel sei gesagt, die Besatzung des 600 - PS - starken Marders besteht aus einem Kommandanten, einem Fahrer, sowie sieben weiteren Soldaten. Die max. Geschwindigkeit liegt bei etwa 65 km / h, der Tank beinhaltet  650 l Dieselkraftstoff.

Nun begleitete uns Hauptfeldwebel Wagner  zu einem großen Transportfahrzeug, welches in BW - Kreise MULT genannt wird. Technische Details standen natürlich im Vordergrund. Das schnelle Absetzen eines Norm Containers vom Chassis des MULTI wurde uns vorgeführt.
 Der letzte Punkt unserer Exkursion auf dem Kasernengelände war eine großräumige Halle. Das Magazin. Einst mit schätzungsweise 200 Tsd. Ersatzteilen bestückt, sind es heute noch etwa die Hälfte. Der Rest wurde um- bzw. ausgelagert.

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Zurück im Unterrichtsraum, beantwortete Führungsoffizier Lasche uns noch einige Fragen. So konnten wir erfahren, dass im Zuge der BW - Reform im Herbst letzten Jahres entschieden wurde, den Standort Unna - Königsborn nicht zu schließen, zumal es der letzte dieser Art im Ruhrgebiet ist. Es gibt aber Veränderungen. So wird das Logistikbataillon 7 im Jahr 2015 dann Versorgungsbataillon 7 heißen und die Truppe halbiert, so dass noch ca. 650 Soldaten hier stationiert sein werden.
Am eigentlichen Auftrag dieser Einheit, wie eingangs erwähnt, wird sich allerdings nichts ändern.

Zum Abschluss bedankte sich der Unterzeichner im Namen der Gruppe für diesen interessanten und informativen Tag bei Herrn Hauptmann Michael Lasche und überreichte ihm einen Ehrenhäckel sowie einen Zinnteller mit Bergbaumotiven.


Jörg Gehle                                                               Fotos: J.Vogelsang, G.Thümmler                                                         


Fotos vom Besuch gibt es hier



Aktualisiert am 24.05.2018
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